Platzverweis!

Der Hermannplatz in Neukölln ist nicht unbedingt hübsch, soll aber aufgehübscht werden. Eine erste Stufe besteht für die städtischen Autoritäten dabei oft darin, diejenigen zu vertreiben, die in dieser Gesellschaft als überflüssig gelten. So kam es, nachdem vor einiger Zeit die Szene um den „gefährlichen“ Kotti von den Bullen vertrieben wurde, dass sich ein Teil dieser Szene am Hermannplatz wiederfand. Und – ach schau – Auch der Hermannplatz ist als gefährlich eingestuft.

So sitz ich da auf dem Hermannplatz und ne Wanne steht da rum. Neben mir sitzt eine ältere Frau mit einem Sterni in der Hand. Einer der Bullen steigt aus der Wanne, kommt auf sie zu und fordert ihren Ausweis. Sie – ziemlich verdutzt – gibt dem Bullen den Ausweis. Er geht zur Wanne, kommt nach einiger Zeit wieder, gibt ihr den Ausweis zurück und sagt: „Na denn – Platzverweis“. Sie: „Wieso das denn?“ Bulle: „BTM-Eintrag“. Bulle geht erstmal. Sie zu mir: „Ohh man der BTM-Eintrag is 15 Jahre her, das kann doch nich sein.“ Wir quatschen ein bisschen. Sie erzählt, dass sie immer in den Schnäppchenläden hier einkauft, dass sie das echt stört mit dem Platzverweis. Darauf kommt der Bulle wieder und macht sie an, sie sei ja noch immer da. Ich misch mich ein und und sag dem Bullen meine Meinung. Seine Antwort: „Ausweis“. Ich zier mich, geb ihn aber schließlich trotzdem her. Bulle geht weg mit meinem Ausweis, kommt nach ein paar Minuten wieder und sagt: „So sie werden jetzt durchsucht.“ Also durchsuchen sie meine Sachen, geben mir meinen Ausweis zurück und einen Platzverweis für 24. Stunden.

Wat denn dein Problem?

Es ist Freitag Abend. Ich mit Anna (Name geändert) zum Essen verabredet. Es ist schon wieder viel zu lange her, als wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Wir beschließen zum Burgerladen in der Rigaer Straße Ecke Samariterstraße zu gehen. Er wurde uns so häufig angepriesen, dass es keine schlechte Entscheidung sein konnte.

Nach einem ausgiebigen Mahl setzen wir unser Gespräch vor dem Laden fort, während Anna ihr Fahrrad abschließt. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, wie ein Polizist die Kreuzung überquert und auf uns zu kommt. Bereits auf dem Hinweg war uns das dutzend Polizisten aufgefallen, die an den beiden gegenüberliegenden Ecken der Kreuzung standen und scheinbar wahllos PassantInnen kontrollierten.

Nichts böses ahnend sprachen wir weiter über Gott und die Welt bis eben jener Polizist sich vor mir aufbaute. Er war höchstens 23 Jahre jung, doch die martialische Uniform verlieh ihm die nötige Autorität. Wie aus dem Nichts bellte mir ein „Wat denn dein Problem?“ entgegen. Ja, was war mein Problem? Angesichts der Situation vor allem die Fassung wiederzufinden. Mir gelang es nur mäßig und so beschränkte sich meine Antwort auf ein Gestammel unverständlicher Silben.

Der Junge in Uniform erkannte, dass er wohl konkreter werden musste. Doch auch seine keineswegs freundlicher formulierte Frage, warum ich hier so rumschreien würde, steigerte die allgemeine Verwirrung nur noch. Rumgeschrien? Ich? Unser doch Gespräch war sicherlich keine 2 Meter weit zu hören gewesen. Sollte dies etwa eine jener Verwechselungen sein, die in einem Polizeiauto, vielleicht gar in einer Anzeige endeten?

Zum Glück schien unsere Überforderung ihn auch langsam an seiner Wahrnehmung zweifeln zu lassen. Nachdem ich mehr oder weniger akurat den Satz „Äh, ich, äh, ich habe nicht, äh geschrien.“ über die Lippen gebracht hatte, drehte er sich kommentarlos um und verließ die Szenerie ebenso unvermittelt, wie er gekommen war.

Puh. Schwein gehabt. Fuhr es mir durch den Kopf. Eine stundenlange Identitätskontrolle hätte diesen schönen Abend in einem Fiasko enden lassen.